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Tom Neubauer
Leiter Instandhaltung
GT Gerätetechnik Deutschland GmbH
Bitterfeld
Von Sabrina Gorges
„In allen Augenblicken, wo wir unser Bestes tun, arbeiten wir nicht. Arbeit ist nur ein Mittel zu diesen Augenblicken.” – Friedrich Nietzsche –
Als Tom Neubauer als Praktikant 2008 bei der Firma GT-Gerätetechnik Deutschland GmbH seine Berufslaufbahn begann, ahnte er nicht, dass er Jahre später Teil eines vorbildlichen Inklusions-Projekts für Menschen mit Behinderung sein würde. Das Unternehmen in Bitterfeld ist führend auf dem Gebiet der Gerätebereitstellung, Lieferung und dem Full-Service für komplette Baustellenausstattungen auf Mietbasis. Bereits seit 2011 arbeitet GT-Gerätetechnik eng mit dem Diakonieverein Bitterfeld-Wolfen-Gräfenhainichen zusammen. „Damals“, so erinnert sich Tom Neubauer, „nahm die Geschäftsleitung Kontakt zu den Werkstätten der Diakonie in Wolfen auf. Es ging darum, die Grünpflege unseres Firmengeländes in andere Hände zu geben. Außerdem sollten künftig unsere Akten außerhalb des Unternehmens professionell entsorgt werden.“ Zwei Arbeitsbereiche von vielen, für die sich die Werkstätten der Diakonie in Wolfen einen sehr guten Ruf erarbeitet hatten. Zuverlässigkeit, Gründlichkeit und gesetzeskonformes Arbeiten sind dabei für die Werkstätten entscheidende Kriterien. 

„Bis zu 15 Menschen mit Behinderung haben dann für uns gearbeitet“, sagt Tom Neubauer Und sukzessive übernahmen die Werkstätten auch andere Arbeiten für GT-Gerätetechnik, wie sich Annett Engel vom Sozialbegleitenden Dienst der Wolfener Werkstätten des Diakonievereins erinnert. So kam es, dass in der Fahrradwerkstatt immer wieder Firmenräder der GT-Gerätetechnik repariert und durchgesehen werden. Dann entstanden die ersten Außenarbeitsplätze für Menschen mit Behinderung bei GT-Gerätetechnik. So kam 2012 auch Stefan Jankowski (36) in die Instandhaltungsabteilung von GT-Gerätetechnik. Vorher war er viele Jahre in einer Gruppe der Elektrowerkstatt der Diakonie Wolfen beschäftigt. 

Tom Neubauer, mittlerweile Chef der Instandhaltungsabteilung erzählt: „Stefan wickelt Kabel auf, überprüft Geräte, putzt und poliert das Metall, ist mittlerweile unverzichtbar für uns.“ „Hier kommt nie Langeweile auf“, freut sich Stefan Jankowski. So wurde ihm zum Beispiel beigebracht, wie eine Rohrsäge auseinandergenommen, auf Fehlerfreiheit geprüft, geputzt und wieder zusammengebaut wird. „Mir wird vertraut und meine Arbeit wird wertgeschätzt“, erzählt Stefan Jankowski. 
Es geht aber noch weiter: Seitdem GT-Gerätetechnik sich entschlossen hat, Menschen mit Behinderungen - Frauen oder Männer - zu beschäftigen und ins Unternehmen zu integrieren, hat sich in der Einstellung der anderen Mitarbeiter eine Menge geändert. Tom Neubauer, der bis vor einem Jahr noch bei der bekannten Regional-Band „Goitzsche“ am Schlagzeug saß: „Wir alle haben einen anderen Blick auf Menschen mit Behinderung bekommen und gerade ältere Mitarbeiter haben ihre Scheu vor den vermeintlich anderen verloren.“ Gemeinsame Pausen sind mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Bei Betriebsfesten ist Stefan ebenso dabei, auch andere Feiern finden nicht ohne ihn statt.

Wir spüren, dass unsere Mitarbeiter mittlerweile Menschen mit Behinderung vorbehaltlos unterstützen und Integration umsetzen.“ Vielleicht etwas, worüber andere Unternehmen, die lieber eine Ausgleichs-abgabe zahlen, anstatt Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, einmal nachdenken sollten … 

Zurück zu Stefan Jankowski. In drei Jahren erhält er, anstatt der monatlichen Grundsicherung, eine volle Erwerbs-minderungsrente, kann aber bis zum Erreichen der Altersrente weiterarbeiten.* Was er auch vorhat. So wie Ines Neubert, die viele Jahre als Reinigungskraft auf einem Außenarbeitsplatz bei GT-Gerätetechnik arbeitete, mittlerweile aber fest angestellt ist. 

Annett Engel: „Stefan hat uns zu erkennen gegeben, dass er nicht zu Hause auf der Couch liegen möchte.“ Nicht zuletzt, da ihm klar geworden ist, dass er eine feste Tagesstruktur mit Arbeit braucht, um nicht abzugleiten. Annett Engel: „Bevor Stefan zu GT-Gerätetechnik kam, fehlte ihm oft der Antrieb, etwas zu machen. Das hat sich mittlerweile komplett geändert. Er ist motiviert und erledigt seine Arbeiten mit großer Freude.“ Dennoch kommt er alle 14 Tage in die Elektrowerkstatt der Diakonie, um dort zu arbeiten und alte Kumpels zu treffen: „Auch das ist ein fester Anker für ihn“, weiß Annett Engel, „vor Corona kam er sogar noch öfter, aber das ist vorbei.“ 

Und wird er die Werkstätten verlassen? „Das wissen wir noch nicht“, sagt Annett Engel, „es ist auch noch zu früh, eine endgültige Entscheidung zu treffen.“ Und was sagt Stefan: „Ich möchte natürlich nicht meinen Kontakt zur Werkstatt verlieren, aber auch gern bei GT-Gerätetechnik fest angestellt werden. “Tom Neubauer würde sich freuen, wenn Stefan Jankowski komplett in sein Team wechselt: „Natürlich finden wir eine Lösung, denn wir nehmen Stefan mit Kusshand.“ Kann es ein schöneres Kompliment für den jungen Mann und die Werkstatt geben?“
*Menschen mit Behinderung erhalten die staatliche Grundsicherung. Nach 20 Jahren Beschäftigung in der Werkstatt für behinderte Menschen WfbM haben sie Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente (EM), die meist höher ausfällt als die Grundsicherung. Auch mit Erhalt einer EM ist es für Menschen mit Behinderung möglich, bis zum Erreichen der Altersrente weiterzuarbeiten.
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