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D. Siebert
Handwerker in Ausbildung im Berufsbildungsbereich, Lebenshilfe Osterburg gGmbH, Osterburg
Sie hören die Geschichte von D. Siebert vorgelesen von Detlef Kränzel.
Herr Kränzel ist Hansebeauftragte der Stadt Osterburg (Altmark). Er engagiert sich nicht nur für Geschichte und Tradition, sondern auch für die Menschen vor Ort. Vor diesem Hintergrund war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Lebensgeschichte von Herrn Siebert, der mit der Arbeit in der in der Werkstatt der Lebenshilfe Osterburg endlich eine Perspektive gefunden hat, einzusprechen. So verbindet sich die hanseatische Gemeinschaftsidee mit gelebter Inklusion.
„Der Erfolg ist nicht danach zu beurteilen, was ein Mensch im Leben erreicht, sondern nach den Hindernissen, die er auf dem Weg zum Erfolg überwunden hat." – Booker T. Washington –
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„Wer nicht kämpft, hat schon verloren“ (Sponti-Spruch aus der 1970er Jahren). D. Siebert hat gekämpft: Für eine angemessene Arbeit. Gegen Behörden und Ämter. Viele Jahre. Jetzt ist er endlich angekommen – in den Werkstätten der Lebenshilfe Osterburg. Hier ist seine Geschichte: „Ich kam als Baby mit Grauem Star auf die Welt“, erzählt er, „durch eine Krankheit ist daraus Grüner Star geworden. Mittlerweile beträgt meine Sehleistung lediglich 50 Prozent.“ Nach dem Hauptschulabschluss schloss der junge Mann 2008 eine Ausbildung als Hauswirtschaftshelfer ab, fand aber keine Anstellung und meldete sich arbeitslos.

Seitdem wurde D. Siebert von Maßnahme zu Maßnahme geschickt, um sich für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Außerdem schrieb er hunderte Bewerbungen oder absolvierte Praktika. D. Siebert erinnert sich: „Gleich bei der ersten Maßnahme beim Verein zur Förderung für berufliche Bildung in Salzwedel, zu der mich das Jobcenter schickte, hieß es: ,Wer hier nicht sein will, muss nicht kommen‘. Da bin ich eben zu Hause geblieben.“

Ein anderes Mal, saß er von 8 Uhr bis 15 Uhr in einem Schulungsraum und schrieb Bewerbungen und schickte die ab. „Außerdem wurde ich dort auf ein mögliches Einstellungsgespräch vorbereitet.“ Allerdings, eine Stelle fand D. Siebert trotzdem nicht. Insgesamt schrieb er in drei Jahren jeden Monat fünf Bewerbungen – ohne Erfolg. „Die meisten Firmen haben überhaupt nicht reagiert.“ Und wenn doch, scheiterte eine Einstellung bereits am Arbeitsweg. „Ich hätte eine Arbeit in der Umgebung bekommen müssen, denn ich bin nur bedingt reisefähig.“ Der Grund: D. Siebert sieht nicht nur sehr schlecht, sondern trägt auch einen Glaukomausweis bei sich. Das bedeutet: Bei Anstrengung, Stress oder schwerem Heben, kann sein Augendruck so schnell ansteigen, „dass es das dann war“, wie er sagt.

Einmal hatte D. Siebert Glück, er wurde vom Arbeitsamt im Rahmen der sogenannten Arbeitsgelegenheit (AGH) zur „DEKRA Toys Company“ geschickt. Das ist eine Modellfirma, die wie ein reales Wirtschaftsunternehmen funktioniert. Mit dem Unterschied, dass alle das Gleiche verdienen. D. Siebert wurde im Lager eingesetzt, sammelte gespendetes Spielzeug ein und reparierte es gegebenenfalls. Hier konnte er 18 Monate bleiben, dann war Schluss. „Danach ging es wieder los: Bewerbungen schreiben, abschicken und hoffen. Dazwischen weitere Pflicht-Maßnahmen, vermittelt durch das Job-Center, um ihn für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. So ging es Jahr für Jahr. Kein Wunder, dass D. Siebert immer weniger daran glaubte, über diesen Weg Arbeit zu finden. Also drängte er darauf, dass ihn das Amt zur Lebenshilfe vermittelt. Der erste Versuch scheiterte 2013, weil, wie D. Siebert sagt: „der Psychologe dies begrüßte, meine Sachbearbeiterin aber nicht.“ Machen wir es kurz: Weitere Jahre zogen ins Land, bevor David Siebert endlich mit Unterstützung eines Psychologen und einer anderen Sachbearbeiterin im Jobcenter seinen jahrelangen Kampf um Aufnahme bei der Lebenshilfe gewann.

„Niemand kann sich vorstellen, was das für mich bedeutete. Endlich Arbeit. Endlich eine Perspektive. Ich habe mich als Arbeitsloser jahrelang überflüssig und nutzlos gefühlt. Manchmal konnte ich meinen Kindern und meiner Verlobten nicht mehr in die Augen schauen.“  

Vorbei: Noch bis März 2024 durchläuft D. Siebert den „Berufsbildungsbereich“. Dabei probiert er sich an den unterschiedlichsten Arbeiten in den Werkstätten der Lebenshilfe Osterburg: Er reparierte Hochbeete, restaurierte Stühle und Bänke, schnitt Metall. Im Moment arbeitet D. Siebert in einem großen Werkstatt-Lager in Osterburg. Unterstützt wird er von seiner Gruppenleiterin. Es finden regelmäßige Gespräche statt, bei denen gemeinsam überprüft wird: Was war gut? Was war schlecht. Wo gibt es Defizite? Wie machen wir weiter? „Diese Gespräche sind sehr hilfreich für mich und helfen mir sicherlich bei der späteren Entscheidung, wo ich ab April 2024 arbeiten möchte.“

Da D. Siebert keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen kann, wird er jeden Morgen um 7.15 Uhr von einem beauftragten Busunternehmen in Klein Ballerstedt abgeholt und zu seinem Osterburger Arbeitsplatz gefahren. Gegen 15.45 Uhr kommt er zurück. Fünf Tage in der Woche: „Ich bin glücklich, dass ich arbeiten gehen kann und endlich weiß, wo ich hingehöre“, strahlt D. Siebert. Er fährt fort: „Tatsächlich habe ich mich nach meinem Urlaub wieder auf die Arbeit und meine Arbeitsgruppe gefreut. Das hätte ich mir früher nie vorstellen können.“

Nach vielen Jahren ist D. Siebert angekommen – dank der Chance, die ihm die Lebenshilfe gab und die er mit beiden Händen ergriffen hat. „Ich habe endlich eine berufliche Heimat gefunden, die eben nicht nach kurzer Zeit endet.“ Zwar weiß D. Siebert noch nicht genau, was er nach 2024 bei der Lebenshilfe arbeiten wird: „Es gibt so viele unterschiedliche Arbeitsplätze, da fällt die Entscheidung nicht leicht.“ Aber er ist sich sicher, dass er mit Unterstützung des Lebenshilfe-Teams etwas Adäquates finden wird.
Interview in leichter Sprache
Herr Siebert ist ein echter Kämpfer.
Er hat viele Hürden nehmen müssen, bis er seinen Weg fand.
Seine Geschichte zeigt, dass man nie aufgeben darf.

„Ich kam als Baby mit Grauem Star auf die Welt. Dann wurde daraus Grüner Star. Mittlerweile beträgt meine Sehleistung 50 Prozent“, erzählt Herr Siebert.

Nach dem Hauptschulabschluss schließt er 2008 eine Ausbildung als Hauswirtschaftshelfer ab.
Aber er findet keine Anstellung und meldet sich arbeitslos.
Er schreibt hunderte Bewerbungen und absolviert Praktika.
Alles ohne Erfolg.

Herr Siebert erinnert sich:
„Die meisten Firmen haben überhaupt nicht reagiert.“ Und wenn doch, scheitert eine Einstellung bereits am Arbeitsweg. „Ich brauche eine Arbeit in der Umgebung, weil ich nur bedingt reisefähig bin.“

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Krankheit von Herrn Siebert bei größeren Anstrengungen und Stress verschlechtert.

Trotzdem versucht er alles, um eine Arbeit zu bekommen. Bewerbungen schreiben, abschicken und hoffen.
Dazwischen Maßnahmen vom Job-Center.
Jahr für Jahr - und immer erfolglos.

Oft enttäuscht und mutlos, drängt er darauf, dass ihn das Amt zur Lebenshilfe vermittelt.
Auch das klappt nicht.
Aber Herr Siebert kämpft weiter. Und endlich, nach Jahren gewinnt er diesen Kampf und findet seinen Platz in der Lebenshilfe.

Rückblickend erinnert er sich:
„Niemand kann sich vorstellen, was das für mich bedeutet. Endlich Arbeit. Endlich eine Perspektive.

Ich habe mich als Arbeitsloser jahrelang überflüssig und nutzlos gefühlt.
Manchmal konnte ich meinen Kindern und meiner Verlobten nicht mehr in die Augen schauen.“

Im Berufsbildungsbereich ist er in den verschiedenen Stationen der Werkstätten der Lebenshilfe Osterburg tätig.
Er repariert Hochbeete, restauriert Stühle und Bänke, schneidet Metall.

Und es finden regelmäßig Gespräche statt.
Dann wird gemeinsam geprüft, was gut oder schlecht war und wie es weitergehen soll.
„Diese Gespräche sind sehr hilfreich für mich“, sagt Herr Siebert.

Da er keinen Bus benutzen kann, wird er jeden Morgen von zu Hause abgeholt und zu seinem Arbeitsplatz gefahren.

„Ich bin glücklich, dass ich arbeiten gehen kann und endlich weiß, wo ich hingehöre. Ich habe endlich eine berufliche Heimat gefunden, die eben nicht nach kurzer Zeit endet.“ strahlt Herr Siebert.

Endlich. Er ist angekommen.